So waren im Anbeginne ihres gemeinschaftlichen Daseins als einer Glyphe des unsterblichen Wesens Baum und Schlange eine wahrhaft göttliche bildliche Darstellung. Der Baum war verkehrt, und seine Wurzeln entsprangen im Himmel, und wuchsen aus der wurzellosen Wurzel des Allseins. Sein Stamm wuchs und entwickelte sich; da er die Ebenen des Plerôma durchkreuzte, sendete er kreuzweise seine üppigen Zweige aus, zuerst auf der Ebene der noch kaum differenzierten Materie, und dann abwärts, bis sie die irdische Ebene berührten. So heißt es von dem Ashvattha-Baume des Lebens und Daseins, dessen Zerstörung allein zur Unsterblichkeit führt, in der Bhagavadgîtâ, daß er mit seinen Wurzeln nach aufwärts und mit seinen Zweigen nach abwärts wachse. [4] Die Wurzeln repräsentieren das höchste Wesen oder die erste Ursache, den Logos; aber man muß über jene Wurzeln noch hinausgehen, um sich mit Krishna zu vereinigen, welcher, wie Arjuna sagt, „größer ist als Brahman, und die Erste Ursache . . . das Unzerstörbare, welches ist, welches nicht ist, und welches jenseits von ihnen ist“. [5] Seine Äste sind Hiranyagarbha (Brahmâ oder Brahman in seinen höchsten Manifestationen, sagen Shrîdhara Svâmin und Madhusûdana), die höchsten Dhyan-Chohans oder Devas. Die Veden sind seine Blätter. Nur jener, welcher jenseits der Wurzeln geht, wird niemals zurückkehren; das heißt, wird sich während dieses Zeitalters des Brahma nicht wieder reinkarnieren.
Bloß als seine reinen Äste den irdischen Schlamm des Gartens von Eden unserer adamischen Rasse berührt hatten, wurde dieser Baum durch die Berührung beschmutzt, und verlor seine ursprüngliche Reinheit. Und also wurde die Schlange der Ewigkeit, der himmelgeborene Logos, schließlich erniedrigt. In den alten Zeiten der göttlichen Dynastien auf Erden wurde das jetzt gefürchtete Reptil als der erste Lichtstrahl betrachtet, welcher aus dem Abgrunde des göttlichen Geheimnisses hervorstrahlte. Verschiedenartig waren die Formen, die man ihn annehmen lief; und zahlreich die natürlichen Symbole, die man ihm anpaßte, während er die Äonen der Zeit durcheilte; als er aus der Unendlichen Zeit (Kâla) selbst in den Raum und in die Zeit, wie sie aus der menschlichen Spekulation sich entwickelten, hineinfiel. Diese Formen waren kosmisch und astronomisch, theistisch und pantheistisch, abstrakt und konkret. Sie wurden der Reihe nach zum polaren Drachen und zum südlichen Kreuz, zum Alpha Draconis der Pyramide, und zum indisch -buddhistischen Drachen, welcher die Sonne immer bedroht, aber niemals verschlingt während ihrer Verfinsterungen. Bis dahin blieb der Baum immer grün, denn er war besprengt mit den Wassern des Lebens; der Große Drache blieb immer göttlich, solange er innerhalb des Geheges der Sternengefilde zurückgehalten war. Aber der Baum wuchs und seine niedrigeren Zweige berührten schließlich die höllischen Regionen - dann benagte die große Schlange Nidhögger - welche die Leichname der Bösewichte in der „Halle des Elends“ (dem menschlichen Leben) verschlingt, sobald sie in Hwergelmir, den brausenden Kessel (der menschlichen Leidenschaften) versenkt sind - den umgekehrten Weltbaum. Die Würmer der Materialität bedeckten die einstmals gesunden und mächtigen Wurzeln, und klettern jetzt höher und höher am Stamme empor; während die am Grunde der Meere zusammengerollte Midgardschlange die Erde umspannt und durch ihren giftigen Atem sie ohnmächtig macht, sich selbst zu verteidigen.
Die Drachen und Schlangen des Altertums sind alle siebenköpfig - ein Haupt für jede Rasse, und „jedes Haupt mit sieben Haaren darauf“, wie die Allegorie sagt. Wahrlich, von Ananta, der Schlange der Ewigkeit, welche den Vishnu durch das Manvantara trägt; von dem ursprünglichen Ur-Shesha, dessen sieben Köpfe in der purânischen Phantasie zu „eintausend Köpfen“ werden, hinab bis zur siebenköpfigen akkadischen Schlange. Dies versinnbildlicht die sieben Principien in der ganzen Natur und im Menschen; das höchste oder mittlere Haupt ist das siebente. Philo spricht in seiner Weltschöpfung nicht vom mosaischen jüdischen Sabbath, wo er sagt, daß die Welt, „nach der vollkommenen Natur der Zahl 6“ vollendet worden ist.
Denn:

Wenn diese Vernunft (Nous), welche heilig ist in Übereinstimmung mit der Zahl 7, in die Seele (richtiger in den lebendigen Körper) eingetreten ist, wird die Zahl 6 dadurch gefesselt und damit alle sterblichen Dinge, welche diese Zahl macht.

Und wiederum:

Die Zahl 7 ist der Festtag der ganzen Erde, der Geburtstag der Welt. Ich weiß nicht, ob irgend jemand im stande ist, die Zahl 7 in entsprechenden Ausdrücken zu feiern.


[4] Kap. XV.

[5] XI.