... Wenden wir uns jetzt dem oberen Teile des Schemas zu. Mit Wasserstoff vom Atomgewichte = 1, ist wenig Raum für andere Elemente, ausgenommen vielleicht für das hypothetische Helium. Was aber, wenn wir „durch den Spiegel hindurch“ gehen, und die Nulllinie auf unserer Suche nach neuen Prinzipien durchkreuzen – was werden wir auf der anderen Seite von Null finden? Dr. Carnelly fragt nach einem Elemente von negativem Atomgewicht; hier ist weiter Raum und Platz genug für eine Schattenreihe solcher Unsubstanzialitäten. Helmholtz sagt, dass die Elektricität wahrscheinlich ebenso atomistisch ist, wie die Materie: ist die Elektricität eines von den negativen Elementen, und der lichttragende Ether ein anderes? Die Materie, wie wir sie jetzt kennen, existiert hier nicht; die Energieformen, die in den Bewegungen des Stoffes erscheinen, sind bis jetzt nur latente Möglichkeiten. Eine Substanz von negativem Gewicht ist nicht undenkbar. [15] Aber können wir uns eine klare Vorstellung machen von einem Körper, der sich mit anderen Körpern nur nach Verhältnisse verbindet, die durch negative Qualitäten ausdrückbar sind? [16]

Eine Genesis der Elemente, so wie hier skizziert, würde nicht auf unser kleines Sonnensystem beschränkt sein, sondern würde wahrscheinlich dieselbe allgemeine Aufeinanderfolge der Ereignisse in jedem großen Energiecentrum, das jetzt als ein Stern sichtbar ist, einhalten.

Bevor die Atome zu einer aufeinander zu gerichteten Gravitation geboren worden waren, konnte kein Druck ausgeübt werden; aber an den Grenzen der Feuernebelsphäre, innerhalb deren alles Protyle ist – an deren Schale die furchtbaren Kräfte, welche die Geburt eines chemischen Elementes in sich schließt, in voller Wucht auftreten, - wäre die heftige Hitze von einer Gravitation begleitet, welche genügte, die neugeborenen Elemente an dem Fortfliegen in den Raum hinaus zu verhindern. Mit der Zuname der Temperatur wächst die Ausdehnung und Molekularbewegung, die Moleküle streben auseinander zu fliegen, und ihre chemischen Verwandtschaften werden abgeschwächt; aber der enorme Gravitationsdruck der Masse atomistischer Materie, außerhalb dessen, was ich der Kürze halber die Geburtsschale nennen möchte, würde der Wirkung der Hitze entgegenarbeiten.

Jenseits der Geburtssphäre wäre ein Raum, in welchem keine chemische Wirkung stattfinden könnte, weil die Temperatur daselbst über dem sogenannten Dissociationspunkt für zusammengesetzte Körper liegt. In diesem Raume würden der Löwe und das Lamm beisammenliegen; Phosphor und Sauerstoff würden sich ohne chemische Verbindung vermengen; Wasserstoff und Chlor würden kein Streben nach engeren Banden zeigen; und selbst Fluor, dieses energisch wirkende Gas, das die Chemiker erst vor einem oder zwei Monaten isoliert haben, würde frei und unverbunden umherziehen.

Außerhalb dieses Raumes freier atomistischer Materie würde eine andere Schale sein, in welcher die geformten chemischen Elemente sich bis zum Verbindungspunkt abgekühlt hätten, und nun würde die Reihenfolge von Ereignissen eintreten, die Herr Mattieu Williams in der Nahrung der Sonne so anschaulich beschrieben hat, die ihren Gipfelpunkt in der festen Erde und in dem Beginne der geologischen Zeit findet (p. 19).

Dies ist in streng wissenschaftlicher, aber schöner Sprache die Beschreibung der Entwicklung des differentiierten Weltalls nach den geheimen Lehren. Der gelehrte Herr schließt seine Ansprache mit Worten, von denen ein jeder Satz wie ein Lichtblitz hinter dem dunklen Schleier der Materialität, der bisher über die exakten Wissenschaften geworfen war, hervorbricht und einen Schritt vorwärts zum Allerheiligsten des Occulten bedeutet. So sagt er:

Wir haben die Schwierigkeit betrachtet, ein Element zu definieren; wir haben auch die Weigerung vieler ernster Physiker und Chemiker gegen die gewöhnliche Annahme des Ausdruckes Element bemerkt; wir haben die Unwahrscheinlichkeit der ewigen Existenz der Elemente [17] oder ihrer durch Zufall bewirkten Entstehung erwogen. Als eine übrigbleibende Alternative haben wir ihren Ursprung durch einen Entwicklungsvorgang angedeutet, ähnlich dem der Himmelskörper nach Laplace, und dem der Pflanzen und Tiere auf unserer Kugel nach Lamarck, Darwin und Wallace. [18] In  der allgemeinen Ordnung der Elemente, soweit wir sie kennen, haben wir eine überraschende Annnäherung an die der organischen Welt gesehen. [19] In Ermangelung eines unmittelbaren Beweises für die Zerlegung irgend eines Elementes haben wir einen mittelbaren Beweis gesucht und gefunden. ... Wir haben zunächst einen Blick auf die Entstehung der Elemente geworfen; und schließlich haben wir ein System ihres Ursprunges geprüft, das durch Professor Reynolds Methode, die periodische Klassifikation zu illustrieren, vorgeschlagen ist. [20] ... Fassen wir alle obigen Überlegungen zusammen, so können wir in der Tat nicht wagen, mit Bestimmtheit zu behaupten, dass unsere sogenannten Elemente aus einer einzigen ursprünglichen Materie entwickelt worden sind; aber wir können dafür eintreten, dass die Waage des Beweises, wie ich glaube, ziemlich zu Gunsten dieser Überlegung ausschlägt.

Somit geht die induktive Wissenschaft in ihren Zweigen Astronomie, Physik und Chemie, während sie zögernd der Eroberung der Geheimnisse der Natur in ihren letzten Wirkungen auf unserer irdischen Ebene sich nähert, auf die Tage des Anaxagoras und der Chaldäer zurück mit ihren Entdeckungen (a) des Ursprunges unserer Erscheinungswelt, und (b) der Bildungsweisen der Körper, welche das Weltall zusammensetzen. Und da sie wegen ihrer kosmogonischen Hypothesen auf die Glauben der ältesten Philosophen und auf die Systeme der letzteren zurückkehren müssen – auf Systeme, die alle auf den Lehren einer allgemeinen Geheimlehre bezüglich der ursprünglichen Materie mit ihren Eigenschaften, Funktionen und Gesetzen beruhten – haben wir da nicht das Recht, zu hoffen, dass der Tag nicht ferne ist, an dem die Wissenschaft ein besseres Verständnis für die Weisheit der Alten zeigen wird, als sie bisher getan hat?


[15] Und der Vortragende führt Sir George Airy an, der (in Faraday’s Life and Letters, Bd. II., p. 354) sagt: „Ich kann mir leicht vorstellen, dass es eine Menge von Körpern rund um uns gibt, die dieser wechselseitigen Einwirkung nicht unterworfen sind, und daher dem Gesetze der Gravitation nicht unterstehen.“

[16] Die Vedântaphilosophie hat die Vorstellung von solchen; aber das ist dann nicht Physik, sondern Metaphysik, die Herr Tyndall „Dichtung“ und „Einbildung“ nennt.

[17] In der Form, wie sie jetzt sind, wenn wir recht verstehen?

[18] Und nach Kapila und Manu – insbesondere und ursprünglich.

[19] Hierin liegt eine wissenschaftliche Bestätigung des ewigen Gesetzes der Entsprechungen und der Analogie.

[20] Diese Methode, das periodische Gesetz in der Klassifikation der Elemente zu illustrieren, ist von Professor Emerson Reynolds von der Dubliner Universität vorgeschlagen, der, nach den Worten des Herrn Crookes, ... „zeigt, dass in jeder Periode die allgemeinen Eigenschaften der Elemente von einem zum nächsten mit annähernder Regelmäßigkeit sich ändern, bis wir das siebente Glied erreichen, das in einem mehr oder weniger auffallenden Gegensatze zu dem ersten Elemente derselben Periode steht, ebenso wohl wie zu dem ersten Gliede der nächsten. So steht Chlor, das siebente Glied von Mendeleefs dritter Periode, in scharfem Gegensatze sowohl zu Natrium, dem ersten Gliede derselben Reihe, als auch zu Kalium, dem ersten Gliede der nächsten Reihe; während andererseits Natrium und Kalium nahe miteinander übereinstimmen. Die sechs Elemente, deren Atomgewichte zwischen Natrium und Kalium liegen, ändern sich Schritt für Schritt in ihren Eigenschaften, bis Chlor, der Gegensatz von Natrium, erreicht ist. Aber von Chlor zum Kalium, dem Analogen von Natrium, ist ein Sprung in der Änderung der Eigenschaften. ... Wenn wir somit einen – mehr oder weniger entschiedenen – Gegensatz in den Eigenschaften zwischen dem ersten und dem letzten Gliede einer jeden Reihe erkennen, so können wir kaum anders, als die Existenz eines Punktes mittlerer Variation in einem jeden Systeme zugestehen. Im allgemeinen besitzt das vierte Element einer jeden Reihe die Eigenschaft, die nach unserer Erwartung ein Übergangselement zeigen sollte. ... Daher überlegt Professor Reynolds zum Zwecke graphischer Darstellung, dass das vierte Glied einer Periode – z. B. Silicium – in den Scheitel einer symmetrischen Kurve verlegt werden kann, die für diese besondere Periode die Richtung angeben soll, in der sich die Eigenschaften der Elementenreihe mit zunehmenden Atomgewichten ändern.“
Nun gesteht die Schreiberin demütig ihre vollständige Unkenntnis in Bezug auf moderne Chemie und deren Geheimnisse. Aber sie ist ziemlich wohl vertraut mit der occulten Lehre in Bezug auf die Entsprechungen der Typen und Antitypen (nach der ersten, von H. P. B. besorgten Auflage – die dritte hat Antetypen = Urbilder. Der Übers.) in der Natur, und in Bezug auf vollständige Analogie als ein Grundgesetz des Occultismus. Daher wagt sie eine Bemerkung, die jedem Occultisten auffallen wird, wie sehr sie auch von der orthodoxen Wissenschaft verlacht werden mag. Diese Methode, das periodische Gesetz in dem Verhalten der Elemente zu illustrieren, einerlei ob noch oder nicht mehr eine Hypothese in der Chemie, ist ein Gesetz in den occulten Wissenschaften. Jeder wohlbelesene Occultist weiß, dass die siebenten und vierten Glieder – einerlei ob in einer siebenfältigen Weltenkette, der siebenfältigen Hierarchie der Engeln, oder in der Konstitution von Mensch, Tier, Pflanze oder Mineralatom – dass die siebenten und vierten Glieder, sagen wir, in dem geometrisch und mathematisch gleichförmigen Wirken der unveränderlichen Gesetze der Natur immer eine bestimmte und besondere rolle in dem siebenfältigen System spielen. Von den Sternen, die hoch am Himmel glitzern, bis zu den Funken, die von dem rohen Feuer, das der Wilde in seinem Walde aufgeschichtet hat, auseinanderstieben; von den Hierarchien und der inneren Konstitution der Dhyân Chohans – die für göttlichere Vorstellungen und einen erhabeneren Wahrnehmungsbereich organisiert sind, als sich der größte westliche Psychologe jemals hat träumen lassen, herab bis zu Naturs Klassifikation der Arten unter den geringsten Insekten; schließlich von Welten zu Atomen, schreitet alles im Weltall vom großen bis zum kleinen, in seiner geistigen und körperlichen Entwicklung cyklisch und siebenfältig vorwärts, wobei seine siebente und vierte Zahl (die letztere als der  Wendepunkt) dasselbe Verhalten aufweist, wie es sich in diesem periodischen Gesetze der Atome zeigt. Die Natur geht niemals sprungweise vor. Wenn daher Herr Crookes dazu bemerkt, dass er nicht den Wunsch hat, „zu schließen, dass die Lücken in Mendeleefs Tafel und in dieser graphischen Darstellung derselben (in dem Diagramm, das die Entwicklung der Atome zeigt) notwendigerweise den Sinn haben, dass tatsächliche Elemente existieren, diese Lücken auszufüllen; diese Lücken mögen vielmehr bloß bedeuten, dass bei der Entstehung der Elemente eine bequeme Möglichkeit war für die Bildung eines Elementes, das an diese Stelle gepasst hätte“ – so würde ein Occultist ihm achtungsvoll erwidern, dass die letztere Hypothese nur dann gelten kann, wenn sie der siebenfältigen Anordnung der Atome nicht widerstreitet. Dieses ist das Eine Gesetz, und eine unfehlbare Methode, die jederzeit den, der sie befolgt, zum Erfolg führen muß.