Und wir „halten“ es auch. Nur daß, wie bereits erwähnt, kein östlicher Initiierter von Sphären „über uns, zwischen der Erde und den Lüften“, auch nicht den höchsten, sprechen würde, da es in der occulten Sprache keine solche Einteilung oder Abmessung gibt, kein oben, sowie auch kein unten, sondern ein ewiges innerhalb innerhalb zweier anderer innerhalb, oder die Ebenen der Subjektivität allmählich versinkend in die der irdischen Objektivität – und diese ist für den Menschen die letzte, seine eigene Ebene. Zum Schlusse dieser notwendigen Erklärung möge hier mit den Worten des Hermes der Glaube über diesen besonderen Punkt der großen Welt der Mystik wiedergegeben werden.

Es gibt viele Ordnungen von Göttern; und in allen ist ein durch den Verstand allein erkennbarer Teil. Es ist nicht vorausgesetzt, daß sie nicht innerhalb des Bereichs unserer Sinne kommen; im Gegenteile, wir nehmen sie wahr, besser sogar als jene, welche sichtbar genannt werden. ... Es gibt daher Götter, die höher sind als alle Erscheinungen; nach ihnen kommen die Götter, deren Prinzip geistig ist; diese Götter offenbaren, da sie sinnlich wahrnehmbar sind, in Übereinstimmung mit ihrem doppelten Ursprung, alle Dinge durch eine sinnlich wahrnehmbare Natur, indem ein jeder von ihnen seine Werke einer durch den anderen erleuchtet. [7] Das höchste Wesen des Himmels, oder von allem, was unter diesem Namen inbegriffen wird, ist Zeus, denn durch den Himmel gibt Zeus allen Dingen das Leben. Das höchste Wesen der Sonne ist das Licht, denn durch die Scheibe der Sonne empfangen wir die Wohltat des Lichtes. Die sechsunddreißig Horoskope der Fixsterne haben zum höchsten Wesen oder Fürsten ihn, dessen Name ist Pantomorphos, oder der alle Formen Habende, weil er verschiedenen Typen göttliche Formen gibt. Die sieben Planeten oder wandernden Sphären haben zu höchsten Göttern Glück und Schicksal, welche den ewigen Bestand der Naturgesetze durch unaufhörliche Umformung und fortdauernde Bewegung aufrechterhalten. Der Ether ist das Werkzeug oder Mittel, wodurch alles hervorgebracht wird. [8]

Das ist ganz philosophisch und in Übereinstimmung mit der östlichen Esoterik; denn alle Kräfte, wie Licht, Wärme, Elektricität usw., werden „Götter“ genannt – esoterisch.

Dies muß in der Tat so sein, weil die esoterischen Lehren in Ägypten und Indien identisch waren. Und daher ist die Personifikation von Fohat, welcher alle offenbarenden Kräfte in der Natur zusammenfaßt, eine berechtigte Folge. Obendrein, wie später gezeigt werden wird, beginnen die wirklichen und occulten Kräfte in der Natur jetzt erst bekannt zu werden – und sogar in diesem Falle durch die heterodoxe Wissenschaft, [9] obwohl ihr Vorhandensein, in einem Falle zu mindesten, von einer ungezählten Menge von gebildeten Leuten, und sogar von einigen offiziellen Männern der Wissenschaft bekräftigt und bezeugt worden ist.

Die Behauptung ferner ist Strophe VI – daß Fohat die ursprünglichen Weltkeime oder die Zusammenscharung von kosmischen Atomen und Materie in Bewegung setzt, „diese in dieser, jene in jener Richtung“, in der entgegengesetzten Linie – scheint orthodox und wissenschaftlich genug. Denn auf jeden Fall besteht zur Unterstützung dieses Satzes eine von der Wissenschaft voll anerkannte Tatsache und zwar die folgende. Die Sternschnuppenfälle, periodisch im November und August, gehören einem Systeme an, welches sich in einer elliptischen Bahn rund um die Sonne bewegt. Das Aphel dieses (August-)Ringes liegt 1 732 Millionen (englische) Meilen weiter als die Bahn des Neptun, seine Ebene ist gegen die Erdbahn unter einem Winkel von 64° 3’ geneigt, und die Bewegungsrichtung des Meteorschwarmes in seiner Bahn ist der des Erdumlaufes entgegengesetzt.
Diese Tatsache, die erst im Jahre 1833 erkannt wurde, erweist sich als eine moderne Wiederentdeckung von etwas, das schon in sehr alter Zeit bekannt war. Fohat dreht mit seinen beiden Armen in entgegengesetzte Richtungen den „Samen“ und die „Flocken“ oder die kosmische Materie; in klarerer Sprache, er dreht Teilchen in einem hochverdünnten Zustande, und Nebelflecke.
Außerhalb der Grenzen des Sonnensystemes sind es andere Sonnen, und insbesondere die geheimnisvolle Centralsonne – die Wohnung der unsichtbaren Gottheit, wie einige hochwürdige Herren sie genannt haben – welche die Bewegung und die Richtung der Körper bestimmen. Diese Bewegung dient auch dazu, den gleichartigen Stoff rund um und zwischen den verschiedenen Körpern zu auf unserer Erde unbekannten Elementen und Unterelementen zu differentiieren, und diese werden von der modernen Wissenschaft als unterschiedene individuelle Elemente betrachtet, während sie bloß zeitweilige Erscheinungen sind, die mit jedem kleinen Cyklus innerhalb des Manvantara wechseln, so daß einige esoterische Werke sie „kalpische Masken“ nennen.


[7] „Hermes begreift hier unter Göttern auch die sinnlich wahrnehmbaren Naturkräfte, die Elemente und Erscheinungen des Weltalls“, bemerkt Dr. A. Kingsford in einer Fußnote, die es sehr richtig erklärt. Ebenso tut es die östliche Philosophie.

[8] Ebenda, pp. 64, 65.

[9] Siehe auch Abteilung IX, DIE KOMMENDE KRAFT