Aber angesichts der hierin gemachten chronologischen Behauptungen ist naturgemäß, zu fragen:

KONNTEN DIE MENSCHEN VOR 18 000 000 JAHREN EXISTIEREN?

Hierauf antwortet der Occultismus bejahend, trotz aller wissenschaftlichen Gegner. Obendrein deckt diese Dauer nur den Vaivasvata-Manu-Menschen, d. i. die bereits in unterschiedene Geschlechter getrennte männliche und weibliche Wesenheit. Die zwei und einhalb Rassen, welche dieser Ereignisse vorangingen, können vor 300 000 000 Jahren gelebt haben, nach allem, was die Wissenschaft sagen kann. Denn die geologischen und physikalischen Schwierigkeiten auf dem Wege der Theorie konnten nicht existieren für den ursprünglichen ätherischen Menschen der occulten Lehren. Die ganze Streitfrage zwischen der profanen und der esoterischen Wissenschaft beruht auf dem Glauben an und dem Nachweis von der Existenz eines Astralkörpers innerhalb des physischen, welch ersterer von dem letzteren unabhängig ist. Paul d´Assier, der Positivist, schein die Thatsache hübsch klar bewiesen zu haben; [45] nicht zu reden von dem aufgehäuften Zeugnis der Zeitalter und von dem der modernen „Spiritualisten“ und Mystiker. Es wird sich als schwierig erweisen, diese Thatsache in unserem Zeitalter der Prüfungen, Versuche und sichtbaren Beweisen zu verwerfen.
Die Geheimlehre behauptet, daß, ungeachtet der allgemeinen Umwälzungen und Störungen der vierten Runde unserer Kugel, welche, weil die vierte Runde die Periode ihrer stärksten Entwicklung ist, indem sie den Mittelpunkt des ihr bestimmten Lebenscyklus bildet – viel schrecklicher und gewaltiger waren, als die irgend einer der drei vorhergehenden Runden – der Cyklen ihres früheren psychischen und geistigen Lebens und ihrer halbätherischen Zustände – die physischen Menschheit auf derselben während der letzten 18 000 000 Jahre existiert hat. [46] Dieser Periode gingen 300 000 000 Jahre der mineralischen und vegetabilen Entwicklung voran. Dem werden all jene widersprechen, welche sich weigern, die Theorie von einem „knochenlosen, rein ätherischen“ Menschen anzunehmen. Die Wissenschaft, welche nur von physischen Organismen weiß, wird empört sein; und die materialistische Theologie noch mehr. Die erstere wird mit logischen und verstandlichen Gründen entgegentreten, welche auf der vorgefaßten Meinung beruhen, daß alle belebten Organismen immer auf derselben Ebene der Materialität in allen Zeitaltern gelebt haben; die letztere mit einem Gewebe der abgeschmacktesten Dichtungen. Der von den Theologen gewöhnlich vorgebrachte lächerliche Anspruch beruht auf der der Wirklichkeit nicht entsprechenden Annahme, den einzigen menschlichen Wesen im ganzen Weltalle zu bestehen, welche auf einer Kugel wohnen und folgerichtig die besten ihrer Art sind. [47]
Die Occultisten, welche fest an die Lehren der Mutter-Philosophie glauben, weisen die Einwände sowohl der Theologen, als auch der Wissenschaftler zurück. Sie behaupten ihrerseits, daß selbst während jener Perioden, in denen eine unerträgliche Hitze geherrscht haben muß sogar an den beiden Polen, mit aufeinanderfolgenden Fluten, Emporhebungen der Thäler und beständiger Verschiebungen der großen Wasser und Meere, keiner dieser Umstände ein Hindernis für menschliches Leben und Organisation bilden konnte, so wie sie es der frühen Menschheit zuschreiben. Weder die Verschiedenartigkeit der einschließenden Regionen, die voll schädlicher Gase waren, noch die Gefahr einer kaum gefestigten Kruste konnten die erste und zweite Rasse hindern, schon während des Karbon oder des Silurzeitalters selbst aufzutreten.


[45] Siehe Posthomous Humanity; ins Englische übersetzt von H. S. Olcott, London, 1887.

[46] Professor Newcomb sagt, daß die durch Zusammenziehung freiwerdender Wärme nur 18 000 000 Jahre vorhalten werde; (Popular Astronomy, 509). Anderseits konnte eine Temperatur, welche den Bestand von Wasser gestattete, nicht früher als vor 10 000 000 Jahren erreicht sein. (Winchells World-Life, 356.) Aber Sir William Thomson sagt, daß das ganze Alter der Verkrustung der Erde 80 000 000 Jahre beträgt, obwohl er heuer wiederum seine Meinung geändert hat und nur 15 000 000 Jahre für das Alter der Sonne zuläßt. Wie in den Zusätzen gezeigt werden wird, ist das Auseinandergehen der wissenschaftlichen Meinungen so bedeutend, daß niemals irgendwelches Vertrauen auf wissenschaftliche Spekulation gesetzt werden kann.

[47] Der Aufsatz über die Mehrheit der Welten (1853) - ein Werk ohne Urhebername, aber, wie wohl bekannt, von Dr. Whewell verfaßt - ist ein guter Beweis dafür. Kein Christ dürfte an die Mehrheit der Welten oder an das geologische Alter der Kugel glauben, argumentiert der Verfasser; weil, wenn behauptet wird, daß diese Welt nur eine unter den vielen ihrer Art ist, welche alle das Werk Gottes sind, so wie sie selbst, daß alle der Sitz von Leben sind, alle das Bereich und die Wohnung verständiger Geschöpfe, die mit Willen begabt, dem Gesetze unterworfen und eines freien Willens fähig sind; es dann überspannt wäre, zu glauben, daß unsere Welt der Gegenstand der Gnade Gottes und seiner besonderen Einmischung, seiner Mitteilungen und seines persönlichen Besuches gewesen sein solle. Kann die Erde sich zutrauen, für den Mittelpunkt des moralischen und religiösen Weltalls gehalten zu werden - so fragt er - wenn sie nicht die geringste Unterscheidung hat, auf die sie sich im physischen Weltalle stützen kann? Ist es nicht ebenso widersinnig, eine solche Behauptung (von der Mehrheit der bewohnten Welten) aufrecht zu erhalten, als es heute sein würde, die alte Hypothese des Ptolemaeus aufrecht zu erhalten, welcher die Erde in den Mittelpunkt unseres Systems versetzte? Das Obige ist aus dem Gedächtnis angeführt, aber nahezu wörtlich. Der Verfasser verfehlt, einzusehen, daß er mit einer solchen Vertheidigung seine eigene Seifenblase plötzlich zum platzen bringt.