„Deus enim et circulus est,“ sagt Pherekydes in seiner Hymne an Jupiter. Dies war ein hermetisches Axiom, und Pythagoras schrieb eine solche kreisförmige Niederwerfung und Haltung während der Stunden der Betrachtung vor. „Der Andächtige muß soviel als möglich der Form eines vollkommenen Kreises nahe kommen,“ schreibt das Geheime Buch vor. Numa versuchte denselben Gebrauch unter dem Volke zu verbreiten, erzählt Pierius seinen Lesern; und Plinius sagt:

Während unser Anbetung rollen wir sozusagen unseren Körper ringartig auf - totum corpus circumagimur. [43]

Das Gesicht des Propheten Hesekiel erinnert einen zwingend an diesen Mysticismus des Kreises, als er einen „Wirbelwind sah,“ aus dem „ein Rad auf der Erde“ hervorkam, dessen Werk „war gewissermaßen ein Rad in der Mitte eines Rades“ - „denn der Geist des lebendigen Geschöpfes war in den Rädern.“ [44]
„(Der Geist) wirbelt beständig umher, und . . . kehrt wieder zurück nach seinem Kreisen“ - sagt Solomon, [45] den die englische Übersetzung von dem „Winde“ sprechen, und der Urtext sich zugleich auf den Geist und die Sonne beziehen läßt. Aber der Zohar, die einzig wahre Glosse des kabbalistischen Predigers, sagt in Erklärung dieses Verses, welcher vielleicht etwas verschwommen und schwierig zu verstehen ist:

Er scheint zu sagen, daß sich die Sonne in Kreislinien bewegt, während er sich auf den Geist unter der Sonne bezieht, genannt der Heilige Geist, welcher sich kreisartig bewegt, nach beiden Seiten, damit sie (Er und die Sonne) in derselben Wesenheit vereinigt seien. [46]

Das brâhmanische „goldene Ei,“ aus dessen Innern Brahmâ, die schöpferische Gottheit auftaucht, ist der „Kreis mit dem Mittelpunkte“ des Pythagoras, und sein passendes Symbol. In der Geheimlehre findet sich die verborgene Einheit - ob sie nun Parabrahman repräsentiert, oder das „Große Extrem“ des Confucius, oder die von Phtah, dem ewigen Lichte verborgene Gottheit, oder wieder den jüdischen Ain Suph - immer symbolisirt durch einen Kreis oder die „Null“ (das Absolute Nichtding oder Nichts, weil es unendlich und das All ist); während der (durch seine Werke) geoffenbarte Gott als der Durchmesser jenes Kreises erwähnt wird. Die Symbolik der zu Grunde liegenden Idee wird so einleuchtend gemacht: die gerade Linie, die durch den Mittelpunkt eines Kreises geht, hat im geometrischen Sinne Länge, aber weder Breite noch Dicke; sie ist ein imaginäres und weibliches Symbol, die Ewigkeit durchkreuzend, und auf der Daseinsebene der Erscheinungswelt ruhend dargestellt. Sie ist dimensional, während ihr Kreis dimensionslos ist, oder um einen algebraischen Ausdruck zu gebrauchen, sie ist die Dimension einer Gleichung. Eine andere Art, die Idee zu symbolisieren, findet, sich in der pythagoräischen heiligen Dekade, welche in ihrer dualen Zahl Zehn (der Eins und einem Kreise oder einer Null) das Absolute All, das sich selbst in dem Worte oder der zeugenden Schöpfungskraft offenbart zusammenfaßt.


[43] Die Göttin Basht, oder Pasht, wurde mit dem Kopfe einer Katze dargestellt. Dieses Tier wurde in Ägypten aus verschiedenen Gründen heilig gehalten. Es war ein Symbol für den Mond, das „Auge des Osiris“ oder der „Sonne“ während der Nacht. Die Katze war auch der Sokhit geweiht. Einer von den mystischen Gründen war der, weil ihr Körper beim Schlafen kreisförmig eingerollt ist. Die Stellung ist zu occulten und magnetischen Zwecken vorgeschrieben, um auf eine gewisse Weise den Kreislauf der Lebensflüssigkeit zu regulieren, mit der die Katze in hervorragendem Maße begabt ist. „Die neun Leben einer Katze“ ist ein volkstümlicher Ausdruck, der auf guten physiologischen und occulten Gründen beruht. Herr Gerald Massey giebt auch einen astronomischen Grund dafür an, welcher in Band I, pp. 322, 323, des vorliegenden Werkes gefunden werden kann.“ Die Katze sah die Sonne, hatte sie in ihrem Auge bei Nacht (war das Auge der Nacht), wenn sie sonst für die Menschen unsichtbar war (denn so wie der Mond das Licht der Sonne reflektiert, so reflektierte die Katze, wie angenommen wurde, dasselbe vermöge ihrer phosphorescierenden Augen). Wir könnten sagen, der Mond spiegle das Sonnenlicht, weil wir Spiegel haben. Für sie war das Katzenauge der Spiegel.“ (Luniolatry Ancient and Modern, p. 2.)

[44] Hesekiel, I. 4, 15, 16, 20.

[45] Prediger, I. 6.

[46] Fol. 87, col. 346.