Der moderne Archäologe spekuliert zwar ins Unendliche über die Dolmen und ihre Erbauer, aber er weiß in der That sowohl von ihnen, als auch von ihrem Ursprung nichts. Doch sind diese unheimlichen und oft kolossalen Denkmäler aus behauenen Steinen – welche gewöhnlich aus vier oder sieben riesigen zusammengestellten Blöcken bestehen – über Asien, Europa, Amerika und Afrika in Gruppen oder Reihen verstreut. Steine von enormer Größe finden sich horizontal und auf verschiedene Art, über zwei, drei, vier, und, wie in Poitou, über sechs und sieben Blöcke gelegt. Das Volk nennt sie „Teufelsaltäre“, Druidensteine und Riesengräber. Die Steine von Carnac in Morbihan, in der Bretagne, in der Länge von nahezu einer Meile und in der Zahl von 11 000 in elf Reihen angeordnet – sind die Zwillingsschwestern jener von Stonehenge. Der kegelförmige Menhir von Loch-maria-ker, in Morbihan, mißt zwanzig Ellen in Länge und nahezu zwei Ellen in die Quere. Der Menhir von Champ Dolent (bei St. Malo) erhebt sich dreißig Fuß über den Boden, und reicht fünfzehn Fuß in die Tiefe hinab. Solche Dolmen und vorgeschichtliche Denkmäler trifft man unter nahezu jeder Breite. Sie finden sich im mittelländischen Becken; in Dänemark (zwischen den lokalen Tumuli von siebenundzwanzig bis fünfundvierzig Fuß Höhe); auf Shetland, wo sie Ganggriften (oder Gräber mit Gängen) genannt werden; in Deutschland, wo sie als Riesengräber (Hünengräber) bekannt sind; in Spanien, wo der Dolmen von Antiguera bei Malaga ist; in Afrika; in Palästina und Algerien; in Sardinien, mit den Nuraghi und Sepolture dei Giganti, oder den Riesengräbern; in Malabar; in Indien, wo sie die Gräber der Daityas (Riesen) und der Râkshasas, der Menschendämonen von Lanka genannt werden; in Rußland und Sibirien, wo sie als die Kurgan bekannt sind; in Peru und Bolivia, wo sie die Chulpas oder Begräbnisplätze genannt werden, u. s. w.

Es giebt kein Land, in dem sie ganz fehlen. Wer erbaute sie? Warum werden sie alle mit Schlangen und Drachen in Verbindung gebracht, mit Alligatoren und Krokodilen? Weil Überreste „vom paläolithischen Menschen“, wie man glaubt, in einigen von ihnen gefunden wurden, und weil in den Begräbnishügeln von Amerika Körper von späteren Rassen mit den üblichen Prunkgegenständen der Knochenhalsbänder, Waffen, Stein- und Kupferurnen u s w entdeckt wurden, deshalb sind sie alte Gräber! Aber sicherlich waren die zwei berühmten Hügel – der eine im Mississippithal und der andere in Ohio – die beziehungsweise als der „Alligatorenhügel“ und der „Große Schlangenhügel“ bekannt sind, niemals als Gräber gedacht. [31] Doch wird einem mit Nachdruck gesagt, daß die Hügel- oder Dolmenerbauer in Europa alle „pelasgisch“ sind, früher als die Inkas in Amerika, aber doch nicht aus „extrem fernen Zeiten“. Sie sind „nicht von einer Rasse von Dolmenerbauern“ gebildet, welche niemals existierte außer in der frühen archäologischen Phantasie (Meinung von de Mortillet, Bastian, und Westropp). Schließlich wird jetzt Virchow´s Meinung über die Hünengräber von Deutschland als ein Axiom angenommen. Der deutsche Biologe sagt:

Nur die Gräber, aber nicht die Gerippe, die sich in ihnen befinden, sind gigantisch.

Und die Archäologie hat sich nur zu beugen und sich der Entscheidung zu unterwerfen. [32]

Daß bisher noch keine riesigen Skelette in den „Gräbern“ gefunden worden sind, ist kein Grund dafür, zu sagen, daß die Überreste von Riesen niemals darinnen waren. Verbrennung war allgemein bis zu einer verhältnismäßig jungen Periode - vor etwa 80 000 oder 100 000 Jahren. Die wirklichen Riesen waren überdies fast alle mit der Atlantis versunken. Nichtsdestoweniger sprechen klassische Schriftsteller, wie wir anderwärts gezeigt haben, oft von riesigen Skeletten, die zu ihrer Zeit ausgegraben wurden. Obendrein können menschliche Fossilien bis jetzt an den Fingern abgezählt werden. Kein bis jetzt jemals gefundenes Skelett ist älter als 50 000 bis 60 000 Jahre, [33] und die Größe des Menschen war von 15 auf 10 oder 12 Fuß herabgemindert worden seit der Zeit der dritten Unterrasse des ârischen Stammes, welche Unterrasse - geboren und entwickelt in Europa und Kleinasien unter neuen Klimaten und Bedingungen - Europäisch geworden war. Seit damals hat sie, wie wir gesagt haben, stetig abgenommen. Es ist daher wahrer, zu sagen, daß die Gräber allein archaisch sind, und nicht notwendigerweise die Menschenkörper, die gelegentlich in ihnen gefunden wurden; und daß jene Gräber, nachdem sie riesig sind, auch Riesen enthalten haben müssen, [34] oder vielmehr die Aschen von Generationen von Riesen.

Auch waren nicht alle solche cyklopischen Bauten zu Gräbern bestimmt. Mit den sogenannten Druidischen Überresten, wie Carnac in der Bretagne und Stonehenge in Großbritannien, hatte die Reise der oben erwähnten Initiierten zu thun. Und diese gigantische Denkmäler sind alle symbolische Aufzeichnungen der Weltgeschichte. Sie sind nicht druidisch, sondern universal. Auch hatten sie nicht die Druiden erbaut, denn diese waren nur die Erben der cyklopischen Lehre, die ihnen von Generationen mächtiger Baumeister und - „Magier“, sowohl guter, als auch böser, hinterlassen worden war.


[31] Wir entnehmen die folgende Beschreibung einem wissenschaftlichem Werke. „Das erste von diesen Tieren (der Alligator), der mit beträchtlicher Geschicklichkeit entworfen ist, ist nicht weniger als 250 Fuß lang. . . . Das Innere ist aus einem Haufen von Steinen gebildet, worüber die Form in feinem, steifen Lehm modelliert ist. Die große Schlange ist mit offenem Rachen dargestellt, wie sie ein Ei zu verschlingen im Begriffe ist, dessen Durchmesser an der dicksten Stelle 100 Fuß beträgt; der Körper des Tieres ist in anmutigen Windungen gekrümmt und der Schweif in einer Spirale aufgerollt. Die ganze Länge des Tieres ist 1100 Fuß. Dieses Werk ist einzig . . . und es existiert nichts auf dem alten Kontinente, das irgend eine Analogie dazu bietet.“ Ausgenommen jedoch seine Symbolik von der Schlange (dem Cyklus der Zeit), welche das Ei (den Kosmos) verschlingt.

[32] Es wäre vielleicht für die Wahrheit besser, wenn wir mehr „Spezialisten“ in der Wissenschaft und weniger „Autoritäten“ über allgemeine Fragen hätten. Wir haben niemals gehört, daß Humboldt absprechende und endgiltige Entscheidungen Betreff von Polypen oder über die Natur eines Auswuchses gegeben habe.

[33] 57 000 Jahre ist das Alter, welches Dr. Dowler den Überresten des menschlichen Skelettes zuschreibt, welche, unter vier alten Wäldern begraben, zu New Orleans an den Ufern des Mississippiflusses gefunden wurden.

[34] Murray sagt von den mittelländischen Barbaren, daß sie die Tapferkeit der Atlantier bewunderten. „Ihre Körperstärke war außerordentlich [Zeugnis dafür sind in der That ihre cyklopischen Bauten], die Erde erbebte manchmal unter ihrem Tritt. Was immer sie thaten, war rasch geschehen. . . . Sie waren weise, und teilten ihre Weisheit den Menschen mit.“ (Mythology, p. 4.)